Pfarrhausgarten.ch

Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.

Heute habe ich gefegt. Draussen, im Hof. Unter dem alten Tisch lag noch Laub. Dünn wie Papier, brüchig vom Warten. Der Wind hatte es gebracht, nicht viel, aber genug, dass man es sah.

Der Besen stand da, an der Wand, wo er meistens steht. Kein neuer. Die Borsten schräg, der Stiel matt vom Gebrauch. Man muss ihn ein wenig drehen, wenn man die Ritzen zwischen den Platten erwischen will. Ich kenne das schon.

Es war kein grosser Entschluss. Kein Moment der Erleuchtung. Eher ein Zögern, das in Bewegung überging. Ein leiser Anfang, wie wenn man einen Gedanken wieder aufnimmt, den man nicht zu Ende gedacht hat.

Der Spruch kam nicht gleich. Erst mit dem Schieben der ersten Blätter. Kehr deinen eigenen Hof. Ein Satz, der nichts erklärt. Nur zeigt. Und auf etwas weist, das leicht zu übersehen ist.

Ich kenne viele, die in fremden Höfen fegen. Mit Eifer. Mit Überzeugung. Und manchmal mit guten Absichten. Ich selbst war auch schon dort. Man sieht Dinge klarer, wenn man nicht verantwortlich ist. Weiss, wie es besser ginge. Wie man es sagen müsste. Tun müsste. Denken müsste.

Aber der eigene Hof hat seine eigene Sprache. Er lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Der Staub liegt anders. Das Licht zeigt Dinge, die niemand sonst sieht. Und es braucht Zeit.

Einige Nadeln haben sich festgesetzt zwischen den Steinen. Ich habe sie nicht alle herausbekommen. Aber ich habe es versucht.

Der Stein, der seit Wochen am Rand liegt, blieb, wo er war. Nicht aus Nachlässigkeit. Eher aus Achtung. Manche Dinge darf man auch lassen.

Ein Rotkehlchen kam kurz vorbei. Hielt inne, als wolle es etwas sagen, und flog dann weiter. Vielleicht war es nur der Schatten meines Besens, der es zögern liess. Vielleicht war auch das nichts. Nur ein kurzer Besuch.

Meine Frau hat den Eimer mitgenommen, der neben dem Tisch stand. Kein Wort. Aber ich wusste, dass sie es gesehen hat.

Es war nicht viel. Kein grosser Unterschied zu vorher. Aber der Hof war leerer. Und ich auch.

Der Wind wird wiederkommen. Neue Blätter bringen, neue Spuren. Vielleicht werde ich wieder fegen. Vielleicht auch nicht.

Aber heute war es so.

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