Pfarrhausgarten.ch

Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.

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Ein Wintertag beginnt mit einer Stille, die sich sachte über die Welt legt. Der Frost zeichnet feine Muster an Scheiben, Wege tragen einen hellen Schimmer, und der Himmel wirkt weiter, als er sonst scheint. Diese frühe Zurücknahme der Geräusche hat eine eigene Sprache. Eine Sprache, die ohne Druck auskommt und doch alles berührt.

Ich sitze am Fenster. Der Morgen breitet sich aus, tastend, offen. In diesem wachsenden Raum wird das Innere ruhig. Gedanken verlieren ihren festen Griff, sie lösen sich wie feiner Atem in der kalten Luft. Zurück bleibt ein Grund, der vertraut wirkt. Ein Herz, das sich sammelt, ohne etwas zu wollen.

In dieser Sammlung entsteht Licht. Kein greller Schein, eher ein warmer Atemzug, der sich ausbreitet. Ein Schimmer, der den Raum füllt, ohne Aufmerksamkeit zu verlangen. Dieses Licht wirkt wie ein leiser Gefährte, der schon lange da ist und nun hervortreten darf. Es hat Tiefe, die nichts erklärt und doch viel deutlicher wirkt als Worte.

Ich denke an Winterlandschaften, die mir nah sind: ein stilles Feld, eine Baumgruppe, ein Weg mit dünnem Raureif. Orte, die wenig sagen und gerade darin viel Klarheit tragen. In solchen Bildern wächst etwas im Inneren. Eine Weite, die vertraut wirkt. Eine Ruhe, die das Eigene freilegt.

Das Herz antwortet auf diese Welt mit einem Glanz, der von innen her entsteht. Es ist ein Licht, das sich zeigt, sobald Raum entsteht. Kein Ziel, kein Drängen. Nur ein feiner Schein, der alles milder macht: Wege, Menschen, das eigene Atmen.

Im schweigenden Herzen zeigt sich das Licht. Es gehört zu jener Tiefe, die in jedem Menschen wohnt. Eine Tiefe, die im Winter manchmal leichter zu finden ist, weil die Welt stiller wird und die Wahrnehmung weicher. Dieses Licht bleibt. Und wenn man bei sich bleibt—im Sitzen, im Gehen, im einfachen Dasein, dann lässt es sich spüren.

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