Pfarrhausgarten.ch

Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.

Erlösung … ?

Erlösung. Das ist ein grosses Wort. Ich sitze damit am Küchentisch und merke, dass es mir fast zu gross ist. Wie ein Mantel, der nicht passt. Zu weit. Zu feierlich. Und trotzdem hängt er da, und ich komme nicht an ihm vorbei. Vielleicht ist Erlösung gar kein grosses Finale. Kein Vorhang, der sich hebt. Eher ein Loslassen. Ein Atemzug, der tiefer geht als sonst. Ein Moment, in dem man aufhört, sich gegen das zu wehren, was ist.

Im Zen gibt es den Ausdruck «Die Dinge so sehen, wie sie sind». Das klingt einfach. Ist es aber nicht. Wir sehen fast nie, was ist. Wir sehen, was wir fürchten. Was wir hoffen. Was wir erwarten. Und dazwischen, ganz selten, blitzt etwas auf. Ein Augenblick ohne Filter, ohne Brille. Das ist Befreiung.

Die christliche Tradition spricht von Gnade. Davon, dass etwas geschenkt wird, das man sich nicht verdienen kann. Ich mag diesen Gedanken. Er nimmt den Druck raus. Man muss nichts leisten. Man darf einfach da sein. Mit allem, was man ist. Mit allem, was man nicht ist. Erlösung passiert nicht irgendwann. Sie will sich jetzt schenken. In jedem Augenblick. Man kann sie nicht machen. Man kann nur aufhören, sich dagegen zu sperren. 

Und manchmal, wenn man still genug ist, merkt man: Sie war schon da. Die ganze Zeit. Manchmal, manchmal zumindest, streift uns etwas davon. Beim Sitzen am Morgen. Beim Gehen durch den Garten. Beim Schweigen mit einem Menschen, der nichts erwartet. Ich kann es nicht festhalten. Aber für einen Moment ist es da. Ganz still. Ganz nah. 

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