Zen – oder die Kunst nichts Besonderes zu sein

Die meisten Menschen sind sich einig: „Theologen sollten alles wissen, haben aber am Ende auch keine Ahnung.“ Wenn man Theologe ist, kann einen das wahnsinnig machen.
Aus Notwehr habe ich begonnen mir einen Ort zu suchen, an dem ich einfach die Klappe halten darf und gar nichts wissen oder können muss.
Dort, im Zen, habe ich zum ersten Mal das «auch» (in dem Vorwurf oben) entdeckt.
Früher glaubte ich den anderen fast alles. Ich glaube sogar mir selber. Mir war völlig klar, dass ich der einzige bin, der ‚es‘ nicht begreift. Warum? Weil ich so vieles nicht bin: doktorbetitelt, selbstbewusst, so richtig intelligent und schön, irgendwie besonders. Vor allem also, weil ich ICH bin.
In der konzentrierten Stille des Augenblicks erfahre ich mit jeder Faser, was ich eigentlich schon lange weiss: Das ist völliger Unsinn.
Denn nicht nur ich hab’ keine Ahnung, sondern die anderen AUCH nicht. Die meisten von uns lenken einfach sehr erfolgreich von ihrer latenten Verwirrung ab – vor allem sich selbst. Mit energischer Selbstoptimierung und einer kapitalen Portion Wind um alles Mögliche. Nur um der Frage «was das hier alles soll» zu entkommen. Aber operative Hektik ersetzt sehr oft geistige Windstille. Nicht wissen, ist meine Tür zur Kreativität geworden.
Seit ich knapp an einem Burnout mit heftigen Asthmaanfällen vorbei geschrammt bin, ist für mich Schluss, mit dem Druck alles richtig machen zu sollen und irgendwie in diese Schubladen passen zu müssen.
Es genügt, jeden Tag das Glück eines ganz gewöhnlichen, glasklaren Schrittes zu erfahren – nur eines einzigen. Atemzug für Atemzug will ich lernen, tiefer und tiefer mitten im Chaos, um Ungewissen zu wohnen, und das ganz alltägliche, das not-wendige zu tun. Kein Ahnung. Nur Mensch sein. Nichts Besonderes eben.

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