Pfarrhausgarten.ch

Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.

Kategorie: Allgemein

  • Erlösung … ?

    Erlösung. Das ist ein grosses Wort. Ich sitze damit am Küchentisch und merke, dass es mir fast zu gross ist. Wie ein Mantel, der nicht passt. Zu weit. Zu feierlich. Und trotzdem hängt er da, und ich komme nicht an ihm vorbei. Vielleicht ist Erlösung gar kein grosses Finale. Kein Vorhang, der sich hebt. Eher…

  • Kraft der Stille

    Ein Krankenhausflur, nachts um drei, oder ist es nachmittags um drei? Ich weiss es nicht mehr. Das Surren einer Neonröhre. Sonst nichts. Jeder Schritt hallt. In einem der Zimmer wacht ein Mann. In einem anderen schläft eine Frau. Und ich sitze auf einem Stuhl, der ein bisschen zu hart ist, und warte. In solchen Momenten…

  • Tag für Tag, guter Tag

    Ein Koan … Also, ich muss ehrlich sagen: Als mir dieser Satz zum ersten Mal begegnet ist – „Tag für Tag, guter Tag“ – da hab ich gedacht, na, das ist ja schön einfach. Das kann ja jeder. Und dann hab ich eine Weile draufgeschaut. Und dann noch eine Weile. Und dann bin ich in…

  • Wenn das Licht bleibt

    Am zweiten Februar wirkt der Tag zuerst unspektakulär. Der Winter steht noch fest auf dem Trottoir, der Atem zeichnet kleine Wolken, der Mantel bleibt geschlossen. Und doch endet hier etwas, das lange mitgelaufen ist. Früher wusste man das. Lichtmess markierte den Moment, an dem Weihnachten leise den Raum verlässt. Die Krippe wanderte zurück in die…

  • Wenn das Herz weit wird, wird der Himmel Mensch

    Eine andere Weihnachtspredigt … Ich bin Seelsorger. Das ist eine merkwürdige Berufung, wenn man es recht bedenkt. Man sitzt da, in dieser Rolle, dieser Funktion, dieser Erwartung – und soll wissen, was man zu sagen hat. Soll wissen, wie man Menschen hilft. Soll wissen, wie man Trost gibt.  Das Problem ist: Ich weiss es auch…

  • Bei(m) Atem bleiben

    Der Kalender endete. Das Jahr ging zu Ende, und an vielen Orten lässt sich Unruhe spüren: Was bleibt? Was war? Was kommt? Die Tage zwischen den Jahren tragen immer etwas Schwebendes in sich, als stünde man zwischen zwei Atemzügen. Ich sitze am Küchentisch. Durch das Fenster der alten Kaplanei in Merenschwand schaue ich dem Nebel…

  • . Ein Wintertag beginnt mit einer Stille, die sich sachte über die Welt legt. Der Frost zeichnet feine Muster an Scheiben, Wege tragen einen hellen Schimmer, und der Himmel wirkt weiter, als er sonst scheint. Diese frühe Zurücknahme der Geräusche hat eine eigene Sprache. Eine Sprache, die ohne Druck auskommt und doch alles berührt. Ich…

  • Wie ein Herz, das noch nachschwingt

    Oberhalb des Lago Maggiore liegt ein kleines Dorf, festgehalten von Mauern, die schon vieles gesehen haben. Die Häuser stehen eng beieinander, ihre Dächer berühren sich fast. Unter der Woche ist es still hier. Die Fensterläden sind geschlossen, die Luft steht, als lausche sie sich selbst. Ein Hund schlägt an, irgendwo fällt eine Tür, dann wieder…

  • Menschen sind wie Blätter

    Einheit in der Verschiedenheit Am Morgen liegt das Licht über den Dächern. Alles wirkt still, als hielte die Welt den Atem an. Und doch bewegt sich etwas: ein Vogel, der quer fliegt, ein Ast, der sich vom Wind her bewegt, ein Mensch, der langsam die Strasse hinuntergeht. Nichts passt genau zusammen. Und doch stimmt alles.…

  • Zwischen Erde und Atem

    Wenn der Herbst den Himmel klärt, wird die Luft dünner und weit. Der Wind trägt den Geruch von Erde, Laub, Kerzenrauch. In dieser Weite liegt etwas, das an Stille erinnert. Man spürt den eigenen Atem bewusster, als würde die Welt ihn begleiten. Jeder Schritt wird langsamer, jeder Gedanke ruhiger. Die Tage sind kürzer, das Licht…