Pfarrhausgarten.ch
Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.
Kategorie: Allgemein
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Es beginnt unscheinbar. Ein Morgen, der anders riecht. Kühle Luft, die durch die Ritzen zieht, selbst wenn die Sonne scheint. Ein Licht, das nicht mehr blendet, sondern liegen bleibt – auf den Dingen, auf der Haut. Man merkt es nicht sofort. Aber irgendwann spürt man: Das Jahr hat die Richtung gewechselt. Ich gehe früh hinaus.…
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Es ist lange her. An einem Donnerstag Abend im Dom von Passau. Draussen regnet es in Strömen. Wir, ein paar nicht nur geistig mittellose Studenten, sitzen im Chorgestühl hinter dem Chor des Bayrischen Rundfunks. Davor die Münchner Philharmoniker. Der Sakristan der Kathedrale hatte uns nach Türschluss kostenlos hereingeschläust. Ein Vorteil, wenn man die richtigen Leute…
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Jetzt im August, wenn die Nächte noch warm sind und der Tag schon früh sein Gewicht zeigt, denke ich gern an die kalten Morgen im Herbst und Winter. Manchmal spürt man den Herbst schon jetzt: Man steht vor dem Haus, und der Atem wird sichtbar. Eine kleine Wolke, die sich auflöst, kaum dass sie da…
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Eigentlich wollte ich lesen. Nichts Wichtiges, nur ein paar Zeilen. Aber die Brille war weg. Also suchte ich. Neben dem Bett, in beiden Jackentaschen, auf dem Schreibtisch, im Bad, noch einmal in beiden Jackentaschen und im Kühlschrank. Man weiss ja nie. Menschen wurden schon an ganz anderen Orten von der Erleuchtung gefunden …Nach zwanzig Minuten…
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In der Küche liegt ein Zettel auf dem Tisch. Nicht besonders auffällig. Ein Einkaufszettel, dachte ich zuerst. Aber dann habe ich ihn gelesen. „Ferien ab 8. Juli“, steht da. Nicht mehr. Keine Ausrufezeichen. Keine Ergänzungen. Kein Ziel. Kein Plan. Nur dieses eine Wort, und ein Datum. Ich weiss nicht mehr, wer den Zettel geschrieben hat.…
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Fronleichnam 2025, Kapelle Unterrütti Ich bin adoptiert. Das ist keine Geschichte, die ich oft erzähle. Aber heute erzähle ich sie. Meine Eltern, die mich adoptiert haben, waren gute Menschen. Sie haben mir früh gesagt, wie es ist. Ohne Aufhebens. „Du bist adoptiert“, haben sie gesagt. „Wir haben dich ausgesucht.“ Das war schön. Ausgesucht worden zu…
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Ich sitze hier und höre zu. Mozart spielt. Eine Krönungsmesse, sagen sie. Ein grosses Wort. Aber ich denke an den älteren Herrn, der letzte Woche vor mir in der Schlange stand. Im Laden. Er kaufte Brot und Milch. Nichts Besonderes. Aber er wartete geduldig, als die Frau vor ihm ihr Portemonnaie nicht fand. Andere hätten…
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Es gibt Sätze, die bleiben. Auch wenn sie nur kurz ausgesprochen werden. Vielleicht gerade dann. Weil sie nichts erklären. Weil sie einfach da sind, wie ein stilles Leuchten in einem dunklen Raum. So ein Satz ist: „Ich sehe den Himmel offen.“ Er stammt von einem Mann, der nicht gerade in einem guten Moment war. Es…
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Heute habe ich gefegt. Draussen, im Hof. Unter dem alten Tisch lag noch Laub. Dünn wie Papier, brüchig vom Warten. Der Wind hatte es gebracht, nicht viel, aber genug, dass man es sah. Der Besen stand da, an der Wand, wo er meistens steht. Kein neuer. Die Borsten schräg, der Stiel matt vom Gebrauch. Man…
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Ich soll heute etwas über Schafe sagen. Am Muttertag. Ich habe überlegt, ob man das einfach machen kann. Etwas über Schafe sagen, wenn man keine Ahnung von Schafen hat. Ich habe keine. Ich kenne auch niemanden, der welche hat. In unserer Strasse gab es keine Schafe. Dort gab es Rasenmäher. Und Hecken. Und Kinderfahrräder. Und…