Pfarrhausgarten.ch

Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.

Kategorie: Allgemein

  • (Joh 21,1–19) Es gibt Momente, da ist alles gesagt. Man hat gehofft, gebetet, gewartet, gelitten. Man hat sich müde geliebt, müde geglaubt, müde gehofft. Dann sitzt man da wie Simon Petrus am See, schaut auf das Wasser und weiss nicht, was man tun soll. Also macht man das, was man früher getan hat: Netze flicken,…

  • Wir sprechen viel übereinander. „Die Jungen verstehen nicht mehr…“ sagen die Alten. „Die Alten blockieren alles…“ sagen die Jungen. So geht das. Endlos. Man spricht über die anderen, nicht mit ihnen. In einer meiner früheren Pfarreien. Ein Stammtisch nach der Messe. Es ging um das kommende Gemeindefest. Jemand sagte: „Die Jugendlichen wollen doch nur…“ Ein anderer: „Die…

  • Joh 20,22 – „Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!„ Es gibt Leute, die schnaufen, als hätten sie das Atmen verlernt. Ich meine jetzt nicht die mit Lungenproblemen oder die, die beim Treppensteigen pfeifen wie ein Wasserkessel. Ich meine die, die vergessen haben, dass man…

  • Ich habe einmal in einem Wirtshaus gesessen, in dem ein Stuhl mit einem Schal über der Lehne stand. Niemand sass dort. Niemand kam. Der Kellner hat ihn nie weggeräumt. Ich habe gefragt. Er sagte: „Der ist für Herrn Koller. Der war Stammgast. Kommt aber nicht mehr.“ Ich habe nicht gefragt, warum er nicht mehr kommt.…

  • Ich weiss nicht, ob Maria Magdalena schlecht geschlafen hat in jener Nacht. Aber ich nehme es an. Ich stelle sie mir vor, wie sie im Halbdunkel ihre Schuhe sucht, obwohl sie doch genau weiss, wo sie stehen. Wie sie aufsteht, weil sie nicht mehr liegen kann. Nicht, weil sie ausgeruht ist. Sondern weil es sinnlos…

  • Ich bin einmal spät nach Hause gekommen. Das Haus war dunkel, aber in meinem Zimmer brannte Licht. Ich war verwundert. Ich hatte es nicht angelassen. Ich dachte erst, jemand sei da. Aber es war niemand da. Nur das Licht. Es war warm. Und es hat gut getan. Ich habe mich hingesetzt, nicht gleich das Licht gelöscht.…

  • Es ist Frühling, sagt der Kalender. Ein Sonntag nach dem ersten Vollmond. Früher war das ein Festtag, weil das Leben zurückkam. Weil die Bäume austrieben, weil die Tiere aus den Ställen kamen, weil die Tage länger wurden. Die Menschen feierten das. Dann kam das Christentum und sagte: Das ist Ostern. Und wie das so ist…

  • Vor ein paar Tagen habe ich auf dem Weg zum Kindergarten eine kleine «Prozession» gesehen. Drei Kinder. Zwei Stöcke. Ein Plüschtier auf einem Trottinett. Die Jüngste ging vorne.Sie trug einen Ast wie eine Fahne.Vielleicht war es ein Palmzweig.Vielleicht auch nur ein Stück vom Haselstrauch,mit noch schlafenden Knospen. Sie schritt ganz feierlich.Ganz ernst.Hinter ihr der Junge…

  • Gestern habe ich Hui -Nengs Plattformsutra gelesen.Nicht alles. Ich lese nie alles. Ich lese meistens nur ein paar Sätze. Gestern war es ein Einziger.„Wenn der Geist zur Ruhe kommt, ist alles ganz einfach.“ So ungefähr stand es da. Ich habe dann das Buch wieder zugeklappt. Nicht, weil ich fertig war. Sondern, weil ich gemerkt habe:…

  • Wir leben in einer Zeit, die uns unaufhörlich zuflüstert: Mehr ist besser. Mehr Auswahl, mehr Komfort, mehr Sicherheit. Wir sind umgeben von Dingen, die unser Leben leichter machen sollen – und doch spüren viele von uns eine merkwürdige Schwere. Die Fülle der Dinge füllt nicht unser Herz. Oft bleibt ein vages Gefühl von Leere, gerade…