Gottesgeplapper

Inflation gibt es nicht nur in der Wirtschaft. Auch die Sprache kennt den inflationären Gebrauch von Begriffen. Was zu oft in Umlauf gebracht wird, verliert seinen Wert. Wovon zu viel geredet wird, verliert seine Tiefe.

Wohl gemerkt, es ist nicht das Göttliche, das seine Tiefe verliert. Aber das Wort dieser Wirklichkeit verliert die Kraft, uns zurückzuwerfen, auf die grosse Weite des Lebens.

Ich habe es nicht gerne, wenn das Wort Gott so oft und vor allem so schnell verwendet wird. Es wird so belanglos, so gewöhnlich und so beiläufig dadurch.

Die jüdische Tradition liegt mir näher. Aus Respekt vor der Heiligkeit der letzten Wirklichkeit, wird ihr Name niemals ausgesprochen, sondern nur umschrieben.

Wer könnte auch mit einem simplen Namen von der grossen Wirklichkeit sprechen. Buchstaben, Worte sind nur Finger, die auf den Mond zeigen. Niemals der Mond selbst. Es sind nur Etiketten. Schilder, Labels, nichts weiter.

Gottseidank gibt es das nicht, was sich die meisten Menschen in ihren Begriffen, Bildern, Worten, unter Gott vorstellen. Leider glauben wir schnell, wir müssten uns konkrete Vorstellungen machen, weil die Wirklich weit entfernt sei und damit unsichtbar. Dabei müssten wir nur einfach lernen, ganz still zu werden. Wirklich still. So still, dass man den Augenblick greifen kann. Dass es keinen Unterscheid mehr gibt, zwischen dem Schweigen und dem, der Schweigt. So still, dass ich mit meinen Knochen spüre: Ich bin diese Stille – und diese Stille ist das Schweigen Gottes. Das ist kein Widerspruch und keine überhebliche Ketzerei, sondern ganz einfach alles durchdringendes, dankbares Dasein. Geheimnisvolle Gegenwart in allem. Grabesstille und Auferstehung im selben Moment.

 

Wenn es so ganz still wird, wenn kein Laut die Stille stören kann, weil ich erfahre, dass es nicht leise sein muss, um in der Stille Gottes zu atmen, wenn mein, wenn sein Schweigen dicht wird, dann hat plötzlich alles seinen Platz. Dann fehlt nichts mehr und nichts ist mehr zu viel. Dann sitzt Du an der Kraftquelle Deines Lebens: Jetzt. Diese Quelle hat kein Ende – und Sie ist immer dort, wo Du bist, an jedem Ort.

 

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