Karl Scholz schreibt über die grosse Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Der kath. Theologe ist Diakon und Pastoralraumleiter im Pastoralraum Muri AG und Umgebung. Seit 2022 ist er autorisierter Zen-Lehrer.
Jetzt im August, wenn die Nächte noch warm sind und der Tag schon früh sein Gewicht zeigt, denke ich gern an die kalten Morgen im Herbst und Winter. Manchmal spürt man den Herbst schon jetzt: Man steht vor dem Haus, und der Atem wird sichtbar. Eine kleine Wolke, die sich auflöst, kaum dass sie da ist. So einfach ist das Leben zu verstehen.
Kohelet hat dafür ein Wort gefunden: hevel – Windhauch. Dasselbe Wort für den Beschlag auf der Fensterscheibe und den Atem, der Leben bedeutet. Kurz da, dann durchsichtig. Nichts Dramatisches. Nur das, was ist, und das, was vergeht – zugleich.
Als Kind sammelte ich alles: Steine, Briefmarken, Insekten. Ganze Schachteln voller scheinbarer Unwichtigkeit. Ich glaubte, so könnte ich das Leben festhalten. Später lernte ich das Loslassen – mühsam, wie man etwas gegen die eigene Natur lernt. Noch später merkte ich: Das meiste lässt sich von selbst. Und das ist keine Tragödie, sondern eine Erleichterung.
Auch die Trauer um meinen Adoptivvater – Windhauch. Nicht, weil sie bedeutungslos wäre oder schnell vergehen soll, sondern weil sie atmet. Kommt in Wellen, bleibt, ebbt ab, kehrt zurück. Wie der Wind in den alten Bäumen vor der Kaplanei. Und das Glück nach einem gelungenen Seelsorgebesuch, das warme Gefühl nach einem ehrlichen Gespräch – auch Windhauch. Alles vom gleichen großen Atem getragen.
Ein Kollege erzählte mir einmal etwas, das mich nicht mehr loslässt: Der Gottesname im Hebräischen – JHWH – besteht ja nur aus vier Konsonanten. Ohne Vokale ist er eigentlich unaussprechbar. Doch wenn man genau hinhört, klingt er ohne Vokale wie Ein- und Ausatmen: „Jah“ beim Einatmen, „Weh“ beim Ausatmen. Jeder Atemzug spricht den Namen Gottes. Wir können gar nicht anders, als ihn auf den Lippen zu haben, Vom ersten Atmen solange wir leben.
Seitdem atme ich manchmal bewusst und höre: Jah-Weh, Jah-Weh. Ein Gebet, das sich von selbst betet. Eine Gegenwart, die nicht gemacht werden muss. Und ehrlich gesagt: Das beruhigt mich. Auch wenn ich vergesse zu beten – ich bete trotzdem. Mit jedem Atemzug.
So verstehe ich Kohelet. Er spricht nicht von Sinnlosigkeit, sondern von Leichtigkeit. Vom großen Lassen, das durch alles geht – Geburt und Tod, Freude und Schmerz, das Banale und das Heilige.
Heute Morgen, beim Brotschneiden, kam mir der Gedanke wieder: Auch das ist Windhauch. Das Brot, das Messer, die Hand, die es führt. Der Duft des frischen Brotes, das Geräusch der Klinge auf der Kruste – alles Teil desselben Atems. Nichts muss gehalten werden. Alles hält sich selbst – im großen Zusammenhang.
Meine Frau kam in die Küche, noch müde, die Haare zerzaust. Auch sie – Windhauch. Nicht vergänglich oder unwichtig, sondern getragen vom selben Atem, der alles trägt. In diesem Moment war alles da: Liebe, Dankbarkeit, Zerbrechlichkeit, Schönheit. Alles bewegt vom gleichen Wind. Ich hätte ihr gerne gesagt: Du bist Windhauch. Aber sie hätte mich wohl seltsam angeschaut.
Das Geheimnis ist: Wir müssen das Leben nicht festhalten, nicht beweisen, nicht rechtfertigen. Es reicht, dass wir atmen, dass es atmet. Und im Atem ist alles gesagt.
Was bleibt, ist nicht das, was ich krampfhaft festhalte. Was bleibt, ist das Atmen. Dieser eine große Atem, der alles durchzieht und alles von innen her erfüllt.
JH-WH. JH-WH.
Ein stilles, endloses Gebet, das sich von selbst betet, solange Leben in mir ist.
Eigentlich wollte ich lesen. Nichts Wichtiges, nur ein paar Zeilen. Aber die Brille war weg. Also suchte ich. Neben dem Bett, in beiden Jackentaschen, auf dem Schreibtisch, im Bad, noch einmal in beiden Jackentaschen und im Kühlschrank. Man weiss ja nie. Menschen wurden schon an ganz anderen Orten von der Erleuchtung gefunden … Nach zwanzig Minuten liess ich es sein. Ich setzte mich hin, die Hände auf den Oberschenkeln, und atmete. Müde vom Suchen. Müde vom Denken über all das, was gerade nicht zu finden ist: die Brille, der Frieden, ein Moment ohne dass etwas drängt. Nur zufällig fiel mein Blick auf meine rechte Hand. Die Brille lag darin. Einfach so. Vermutlich schon die ganze Zeit. Ich hatte sie gehalten, ohne es zu merken, hatte sie festgehalten, während ich überall danach suchte. Ich sass noch eine Weile so da. Etwas in mir hatte aufgegeben – und Raum gelassen. In die entstandene Stille fiel ein Satz aus einem sehr alten Zen-Text, aus Huinengs „Plattform-Sutra“, den ich vor Tagen gelesen hatte: „Der rechte Weg kennt kein Suchen und kein Ergreifen.“ Damals hatte er fremd geklungen. Jetzt sass er neben mir, vertraut wie ein alter Freund. Die Hand hielt die Brille. Der Kopf war woanders gewesen. So ist das manchmal. In einer lauten Welt klingt so ein Satz fast unverschämt leise. Da sein. Die Brille halten. Atmen. Ich brauche das immer wieder: Wachwerden zu einem offenen Herzen und leeren Händen. Zu Händen, die halten, ohne zu greifen. So findet sich dann oft der nächste, stimmige Schritt. Manchmal sogar für die ganze Welt. Selbst wenn es nur mein kurzer Schritt auf die andere Seite des Tisches ist. Brille optional.
In der Küche liegt ein Zettel auf dem Tisch. Nicht besonders auffällig. Ein Einkaufszettel, dachte ich zuerst. Aber dann habe ich ihn gelesen. „Ferien ab 8. Juli“, steht da. Nicht mehr. Keine Ausrufezeichen. Keine Ergänzungen. Kein Ziel. Kein Plan. Nur dieses eine Wort, und ein Datum.
Ich weiss nicht mehr, wer den Zettel geschrieben hat. Vielleicht ich. Vielleicht jemand anders. Er lag einfach da. Und er hat mich ausgebremst. Nicht hart, nicht abrupt. Nur ein bisschen. Als hätte jemand den Ton leiser gedreht.
Es gibt Worte, die wirken wie eine offene Tür. „Ferien“ ist so eines. Man steht davor und weiss nicht gleich, ob man eintreten darf. Ob das für einen selbst gemeint ist. Oder für andere. Und wenn man dann eintritt, merkt man: Es ist still. Und diese Stille meint es ernst.
Ich habe den Zettel nicht weggeräumt. Ich habe ihn liegen lassen. Neben der Schale mit den Äpfeln, zwischen einer Gabel und einer Rechnung. Wenn ich vorbeikomme, sehe ich ihn. Und jedes Mal merke ich: Ich bin noch nicht so weit. Noch nicht angekommen im Dazwischen.
Der Anfang der Ferien ist kein Ort. Er ist ein Blick. Ein Atemzug. Ein Schritt weniger.
Ich verreise manchmal allein. Nicht, um mich zurückzuziehen, sondern um den Blick zu öffnen. Ich nehme die Kamera mit, aber es geht nicht um Bilder. Es geht um das Schauen. Ich suche nicht das Spektakuläre. Ich warte darauf, dass etwas still wird. Nicht um mich herum – in mir.
Vor zwei Jahren stand ich irgendwo in einer fremden Ebene, nichts war vertraut, ausser das Licht. Ich wartete. Das tue ich oft, wenn ich fotografiere. Nicht auf das richtige Motiv. Auf das Verschwinden des Wartens.
Ein Hirte ging vorbei, barfuss, mit drei Ziegen. Er grüsste nicht, blieb nicht stehen. Und trotzdem war es, als hätte sich etwas berührt. Es war kein schöner Moment. Er war windig, das Licht hart, die Luft staubig. Aber ich erinnere mich daran. Weil es nichts von mir wollte.
Das Evangelium erzählt von Leuten, die losgeschickt werden, ohne Gepäck. Ohne Geld, ohne Vorrat, ohne Reservierung. Geht einfach, sagt Jesus. Bleibt, wo man euch aufnimmt. Esst, was man euch hinstellt. Wenn euch jemand nicht will, geht weiter. Kein Streit. Kein Groll. Nur Staub abklopfen und weitergehen.
Ich frage mich, ob das nicht auch eine Art Ferien ist. So zu gehen. Ohne Beweis, ohne Ziel, ohne Angst, etwas zu verpassen. Einfach gehen. Und schauen, was sich zeigt. Und wenn nichts kommt, dann eben nichts. Auch das hat ein Gewicht.
Ich kenne einen älteren Herren, der geht immer am ersten Ferientag in die Badi. Nicht zum Schwimmen, sagt er. Zum Ankommen. Er geht hin, setzt sich auf den warmen Stein am Beckenrand, zieht die Schuhe aus und schaut den anderen zu. Dann geht er wieder. Das ist sein Ritual. Und jedes Jahr sagt er: Jetzt ist Sommer.
Ich weiss nicht, ob ich ein Ritual habe. Ich glaube, ich warte einfach. Bis etwas in mir langsamer wird. Nicht aufhört, aber langsamer. Bis der Lärm nachlässt. Bis ich wieder merke, dass ich atme.
In Jesaja steht: „Wie einen seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.“ Das ist kein Satz, den man analysiert. Auch keiner, über den man diskutieren muss. Es ist ein Satz, der einfach neben einem sitzt. Wie ein Mensch, der nicht fragt, wie es einem geht, sondern einfach da ist.
Irgendwo unterwegs, weit weg an einem Grenzübergang stand eine jüngere Frau. Zwei Kinder bei sich, ein Rucksack. Sie sprach mit niemandem, sie wirkte nicht unruhig. Sie stand einfach da. Wartete. Niemand wusste, worauf. Aber sie strahlte etwas aus, das schwer zu benennen war. Nicht Hoffnung. Auch nicht Resignation. Eher ein stilles Bleiben. Und für einen Moment war es, als hätte sie den ganzen Ort mit Ruhe gefüllt.
So sind Ferien nicht immer. Aber so sind sie manchmal. In einem Augenblick. In einem Blick. In einer Bewegung, die langsamer ist als sonst.
Ich glaube nicht, dass wir dafür Ferien brauchen. Aber sie helfen. Sie geben uns einen Grund, den wir uns sonst nicht erlauben. Sie sagen: Jetzt nicht. Und manchmal auch: Jetzt nie mehr. Nie mehr so weitermachen wie vorher. Nie mehr alles dem Tempo unterordnen. Nie mehr das Wichtige dem Dringenden opfern.
Wie lange dieser Zustand hält, weiss ich nicht. Vielleicht ein paar Stunden. Vielleicht eine Woche. Vielleicht nur einen Atemzug. Aber wenn man ihn einmal gespürt hat, will man ihn nicht mehr vergessen.
Ich habe den Zettel vom Küchentisch inzwischen weggelegt. Nicht weggeworfen. Nur beiseite. Er hat getan, was er tun sollte. Er hat mich erinnert. Daran, dass nicht der Tag entscheidet, ob etwas Ferien ist. Sondern der Blick. Der Ton. Der Raum zwischen den Dingen. Und dass man nicht gleichzeitig rennen und ankommen kann.
Ferien beginnen nicht, wenn man losfährt. Sie beginnen, wenn man stehenbleibt. Und sie enden nicht mit der Rückkehr. Sie enden, wenn man wieder anfängt, sich selbst zu überholen.
Ich wünsche uns, dass wir das hinausschieben. Dass wir uns nicht so schnell wieder einholen. Und wenn doch – dass wir uns dabei freundlich begegnen. Ohne Hast. Ohne Urteil. Einfach so, wie man sich wiedersieht auf einem Bahnsteig. Mit einem Lächeln. Und einem leisen: Du auch hier?
Ich bin adoptiert. Das ist keine Geschichte, die ich oft erzähle. Aber heute erzähle ich sie.
Meine Eltern, die mich adoptiert haben, waren gute Menschen. Sie haben mir früh gesagt, wie es ist. Ohne Aufhebens. „Du bist adoptiert“, haben sie gesagt. „Wir haben dich ausgesucht.“
Das war schön. Ausgesucht worden zu sein.
Trotzdem habe ich manchmal gedacht: Ich muss beweisen, dass sie richtig gewählt haben. Ich muss zeigen, dass ich es wert war.
Menschen denken oft so. Dass sie etwas wert sein müssen. Dass sie sich verdienen müssen, was sie bekommen.
Heute ist Fronleichnam. Ein Fest mit einem komischen Namen. Fronleichnam heisst: der Leib des Herrn. Gemeint ist Jesus. Gemeint ist das Brot, das er den Menschen gegeben hat. Aber nicht nur das Brot aus Mehl und Wasser. Gemeint ist die Nahrung, die er für uns ist. Und die wir füreinander sein können.
Es ist ein schwieriges Fest. Wir tragen das Brot durch die Strassen und sagen: Das ist Gott. Die Leute schauen uns an und denken: Die spinnen.
Ich verstehe das.
Jesus hat gesagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Das ist ein seltsamer Satz. Brot ist Brot. Jesus ist Jesus. Wie kann Jesus Brot sein?
Aber ich verstehe etwas anderes. Ich verstehe den Hunger.
Nicht nur den Hunger nach Essen. Den anderen Hunger. Den Hunger danach, dass jemand sagt: Du gehörst dazu. Du bist richtig hier.
Ich war mal für längere Zeit in einem Kloster. Die Mönche dort essen dreimal am Tag zusammen. Jeder bekommt das Gleiche. Niemand fragt: Hast du das verdient? Niemand sagt: Du warst heute nicht brav genug für das Dessert.
In unseren Zen-Kursen ist es ähnlich. Wer kommt, gehört dazu. Niemand muss etwas beweisen.
Das gefällt mir. Diese Selbstverständlichkeit.
Draussen ist es anders. Draussen muss man sich das meiste verdienen. Den Job. Die Anerkennung. Die Liebe. Manchmal sogar das Essen.
Und wir glauben: So ist es richtig. Wer nichts leistet, bekommt nichts.
Aber Jesus sagt etwas anderes. Er sagt: Das Wichtigste ist geschenkt.
Das ist schwer zu glauben.
Ich erinnere mich an meinen ersten Brotkauf. Ich war fünf Jahre alt. Meine Mutter gab mir Geld und sagte: „Geh zum Bäcker und kauf ein Brot.“
Ich war stolz. Ich war wichtig. Mama traute mir etwas zu.
Der Bäcker kannte mich. Er lächelte und gab mir das Brot. Es war schwer in meinen kleinen Händen.
Auf dem Heimweg dachte ich: Ich bin gross. Ich kann das.
Erst später habe ich verstanden: Nicht weil ich es konnte, war ich gross. Sondern weil ich gross war, konnte ich es. Meine Mutter hatte mir vertraut. Der Bäcker hatte mich ernst genommen. Sie hatten mir das geschenkt, bevor ich etwas geleistet hatte.
So ist das mit dem Brot des Lebens, glaube ich.
Es ist nicht so, dass wir uns die Liebe verdienen müssen. Es ist so, dass wir geliebt werden. Und deshalb können wir lieben.
Es ist nicht so, dass wir uns die Zugehörigkeit verdienen müssen. Es ist so, dass wir dazugehören. Und deshalb können wir etwas beitragen.
Aber das vergessen wir oft.
Wenn ich hier stehe und predige, denke ich manchmal: Hoffentlich ist es gut genug. Hoffentlich merken sie nicht, dass ich einfach ein Suchender bin.
Als würde meine Berechtigung davon abhängen, wie authentisch, wie tiefgründig, oder wie «geschliffen» ich bin.
Dabei ist es umgekehrt. Nicht weil ich tiefgründig oder «geschliffen» wäre, darf ich hier stehen. Sondern weil ich hier stehen darf, kann ich versuchen, mit Euch tiefer zu gehen.
Das ist das Geschenk.
Ich kenne einen älteren Herrn. Er geht seit Jahren nicht mehr zur Kommunion. Er sagt: „Ich bin geschieden. Ich gehöre nicht dazu.“ Er ist nicht alleine mit diesem Gefühl.
Das macht mich traurig. Weil es zeigt, wie wir aus dem Geschenk eine Bedingung gemacht haben. Wie wir aus der Einladung eine Prüfung gemacht haben.
Jesus hat mit allen gegessen. Mit den Zöllnern, die betrogen haben. Mit den Sündern, die gesündigt haben. Mit den Frauen, die nicht dazugehört haben.
Er hat nie gefragt: Bist du gut genug?
Er hat einfach das Brot gebrochen und gesagt: Hier, für dich.
Das ist Fronleichnam. Die Erinnerung daran, dass das Wichtigste geschenkt ist.
Sie sind heute hierhergekommen. Warum auch immer. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht aus Neugier. Vielleicht weil Sie Hunger haben. Nach Brot oder nach etwas anderem.
Ich weiss nicht, warum Sie gekommen sind. Aber ich weiss: Sie gehören dazu.
Nicht weil Sie fromm sind. Nicht weil Sie alles verstehen. Nicht weil Sie ein gutes Leben geführt haben.
Sondern weil Sie da sind.
Das ist das Brot des Lebens. Die Gewissheit: Du gehörst dazu. Du hast ein Recht zu sein.
Und wenn Sie nachher nach Hause gehen und immer noch hungrig sind, ist das auch in Ordnung. Denn das Brot des Lebens ist kein Zaubermittel. Es ist ein Versprechen.
Ich sitze hier und höre zu. Mozart spielt. Eine Krönungsmesse, sagen sie. Ein grosses Wort.
Aber ich denke an den älteren Herrn, der letzte Woche vor mir in der Schlange stand. Im Laden. Er kaufte Brot und Milch. Nichts Besonderes. Aber er wartete geduldig, als die Frau vor ihm ihr Portemonnaie nicht fand.
Andere hätten geseufzt. Hätten geschaut – auf die Uhr. Sich geräuspert. Er wartete einfach.
Das war auch eine Art Krönung.
Manchmal wird es kühl zwischen Menschen. Niemand weiss warum. Niemand weiss wann. Es ist einfach da. Wie schlechtes Wetter.
Man grüsst noch. Man nickt noch. Aber etwas fehlt. Als wäre zwischen den Menschen ein dünnes Eis entstanden. Man muss aufpassen, wo man hintritt.
Dann werden die Gespräche vorsichtiger. Die einen werden zu Polizisten, die anderen werden verunsichert. Fragen klingen plötzlich wie Prüfungen. «Wie geht’s denn so?» bedeutet nicht mehr «Wie geht’s?» sondern «Was machst du falsch?»
«Schönes Wetter heute», sagt einer. Und der andere denkt: Was meint er damit? Ist das eine Kritik an gestern? Eine Anspielung auf etwas?
So wird selbst der Himmel verdächtig.
Dann redet man nicht mehr miteinander, sondern nun noch übereinander. «Ich habe gehört, dass…» Oder: «Man sagt…»
«Man» ist ein praktisches Wort. Wie ein Regenschirm. Man kann sich darunter verstecken. Man kann alles sagen und steht trotzdem nicht dafür gerade.
«Viele denken das», sagt einer. Aber welche Viele? Drei? Fünf? Oder nur er selbst am Morgen, am Mittag und am Abend?
So wird aus einem Gespräch ein Geflüster. Aus einer Meinung ein Gerücht. Aus einem Menschen ein Problem.
Und alle machen mit. Auch ich. Auch Sie. Wir sind alle sehr demokratisch, wenn es ums Tratschen geht.
Und dann passiert etwas Seltsames. Menschen fangen an, sich selbst kleiner zu machen. Sie ziehen den Kopf ein. Sie sagen weniger. Sie trauen sich weniger zu. Sie zeigen sich weniger.
Als hätten sie geglaubt, was über sie geredet wird. Als wären sie wirklich das Problem geworden, das andere aus ihnen gemacht haben. Sie nehmen sich selbst die Würde. Am Ende verhalten sie sich genauso, wie man über sie spricht, ohne es je gewollt zu haben.
Mozart wusste nichts von unseren kleinen Kriegen. Aber seine Musik kennt sie trotzdem. Sie kennt die Müdigkeit. Die Enttäuschung. Das Misstrauen.
Und sie antwortet darauf. Nicht mit Worten. Mit Tönen. Töne lügen nicht. Töne haben keine Hintergedanken.
Ein Ton ist ein Ton. Er meint nichts anderes. Er will nichts beweisen. Er ist einfach da. Wie die Luft. Wie das Licht.
Das liebe ich an der Musik. Sie macht keine Politik. Sie führt keine Gespräche über Gespräche. Sie spielt einfach. In ihrer eigenen Sprache.
Pfingsten ist auch so eine Geschichte. Menschen verstehen sich plötzlich. Jeder hört in seiner eigenen Sprache.
Das muss schön gewesen sein. Endlich mal ein Gespräch ohne Missverständnisse. Ohne dass einer sagt: «Das habe ich nicht so gemeint.» Oder: «Du verstehst mich nicht.»
Das Wunder ist nicht, dass alle dasselbe sagen. Das Wunder ist, dass alle zuhören – tief und nur.
Zuhören wird schwerer im Alter und unter dem Druck der Angst. Wir hören zu, um zu antworten. Um zu widersprechen. Um recht zu behalten. Um zu beweisen, dass wir auch etwas wissen.
Aber manchmal hört es in uns einfach zu. Ohne etwas zu wollen. Ohne etwas zu beweisen. Das ist selten. Das ist kostbar. Das ist ein Geschenk. Das ist unsere Natur.
Würde hat damit zu tun. Mit dem Zuhören. Mit dem Hinschauen. Mit dem Dasein, wenn es schwierig wird.
Würde ist ein komisches Wort geworden. Wir gebrauchen es bei Feierlichkeiten. Bei Reden. Bei wichtigen Anlässen. Als wäre Würde etwas für Sonntags.
Aber Würde ist alltäglich. Wie Brot und Milch. Wie Luft zum Atmen.
Der Betrunkene vor dem Bahnhof hat auch Würde. Auch wenn er nach Urin riecht. Auch wenn er lallt. Auch wenn er Passanten um Geld anbettelt.
Die Leute machen einen Bogen um ihn. Als hätte er eine ansteckende Krankheit. Die Krankheit des Scheiterns vielleicht.
Aber er ist immer noch ein Mensch. Mit einer Geschichte. Mit Träumen, die zerbrochen sind. Mit einer Mutter, die sich Sorgen macht.
Würde ist nicht etwas, das man verdient. Nicht etwas, das man sich erarbeitet. Sie ist da. Von Anfang an. Wie die Haut. Wie das Herz.
Und hier ist das Seltsame: Niemand kann sie einem nehmen. Niemand. Auch nicht der Chef, der einen runtermacht. Auch nicht die Nachbarin, die über einen redet. Auch nicht der Partner, der einem das Gefühl gibt, man sei nichts wert.
Aber: Man kann Menschen dazu bringen, dass sie sich die Würde selbst nehmen.
Das ist das Gemeine daran. Das ist der Trick.
Man redet so lange über jemanden, bis er anfängt, es zu selbst glauben. Man schaut so lange weg, bis er sich selbst nicht mehr sieht. Man stellt so lange Fragen wie Prüfungen, bis er sich selbst prüft und durchfallen lässt.
Dann macht er sich kleiner oder grösser, als er ist. Dann redet er leiser oder lauter, als nötig wäre. Dann entschuldigt er sich für Dinge, für die er sich nicht entschuldigen müsste.
Das ist die perfekte Methode. Der andere macht die Arbeit selbst. Nimmt sich selbst die Würde. Und man kann sagen: «Ich habe doch gar nichts gemacht.»
Stimmt. Man hat nur zugeschaut. Man hat nur geredet. Man hat ja nur gefragt.
Und das reicht.
Aber hier ist auch das Gute: Was man sich selbst genommen hat, kann man sich auch selbst zurück erlauben.
Man muss nur aufhören zu glauben, was andere über einen sagen. Man muss nur aufhören, sich kleiner oder grösser zu machen, als man ist. Und man muss lernen auf den stillen Geist Gottes im Herz zu lauschen.
Mozarts Krönungsmusik sagt genau das. Sie sagt: Du bist mehr, als du denkst. Du bist mehr, als andere von dir denken. «Du musst wissen, dass Du genug bist», sagt der Osten. «Ihr seid das Licht der Welt», sagt Jesus.
Sie sagt es mit einem Kyrie, das um Erbarmen bittet. Mit einem Gloria, das den Himmel offen sieht. Mit einem Agnus Dei, das den Frieden sprechen lässt.
Das ist die Krönung. Nicht der Pomp. Nicht der Glanz. Nicht die goldenen Kleider. Sondern die Erinnerung daran, wer wir sind.
Menschen. Mit Fehlern. Mit Ängsten. Mit kleinen und grossen Hoffnungen.
Menschen, die Brot kaufen und Milch. Die im Stau stehen. Die ihre Kinder zur Schule bringen. Die sich Sorgen machen um die Rente.
Menschen, die warten können. Die zuhören können. Die da sind, wenn es darauf ankommt.
Auch hier, an diesem Ort, sind solche Menschen. Menschen, die sich manchmal kleiner oder grösser gemacht haben, als sie sind. Die manchmal vergessen haben, wer sie wirklich sind.
Aber auch Menschen, die sich erinnern können. Die wieder aufstehen können. Die ihre Würde wiederentdecken können.
Vielleicht fängt es so an. Mit einem, der nicht wegschaut. Mit einer, die nicht weitererzählt, was sie gehört hat. Mit jemandem, der einfach Mensch ist. Von Natur aus erfüllt von heilendem Geist.
Ohne Bedingungen. Ohne Hintergedanken. Ohne zu fragen: «Was springt für mich dabei raus?»
Das ist alles, worum es geht: Ein Lächeln, das nichts will. Ein Gruss, der nicht bewertet. Ein Gespräch, das kein Verhör ist.
Die Musik spielt weiter. Mozart krönt uns alle. Feinfühlig. Selbstverständlich. Ohne die Frage, ob wir es verdient haben. Wie der Himmel selbst, der zu Pfingsten seinen weiten Geist schenkt.
Wie der Mann mit dem Bro und der Milch. Wie die Geduld. Die Würde, die bleibt.
Auch wenn wir sie vergessen. Auch wenn wir sie uns selbst nehmen. Sie wartet.
Weil sie weiss, dass sie immer schon da ist – wie die Haut. Wie das Herz.
Es gibt Sätze, die bleiben. Auch wenn sie nur kurz ausgesprochen werden. Vielleicht gerade dann. Weil sie nichts erklären. Weil sie einfach da sind, wie ein stilles Leuchten in einem dunklen Raum.
So ein Satz ist: „Ich sehe den Himmel offen.“
Er stammt von einem Mann, der nicht gerade in einem guten Moment war. Es war laut um ihn herum. Es war gefährlich. Es gab Widerstand. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat er es gesagt. Ohne Pathos. Ohne Erklärung. Nur dieser eine Satz.
Ich habe mich gefragt, ob man das heute noch sagen darf. „Ich sehe den Himmel offen.“ Ohne dass jemand lacht. Oder die Stirn runzelt. Oder sagt: „Das ist doch naiv.“
Denn wer heute von offenen Himmeln spricht, wird schnell in eine bestimmte Schublade gelegt. Entweder zu fromm. Oder zu weltfremd. Oder beides. Dabei geht es gar nicht um eine Vision. Es geht um einen Moment. Um einen Blick. Um etwas, das man nicht beweisen kann – aber trotzdem weiss.
Es ist, als würde sich mitten im Alltag etwas öffnen. Nicht spektakulär. Kein Donner. Kein Lichtstrahl. Nur ein leiser Spalt. Und man merkt: Da ist mehr. Mehr als das, was man sieht. Mehr als das, was man versteht. Mehr als das, was man schafft.
Manchmal darf ich so etwas erahnen – und ich denke, Sie kennen das auch. Ganz unscheinbar. Beim Abwasch. Beim Gehen. Beim Blick auf ein Kind. Oder einfach im Sitzen. Wenn niemand etwas von einem will. Wenn alles kurz still wird. Und etwas in mir weiss: Es ist gut. Mit allem.
Ich hätte das früher nicht so gesagt. Ich hätte das Wort „Himmel“ vielleicht vermieden. Aber inzwischen weiss ich: Es ist genau das. Ein offener Himmel. Nicht irgendwo. Hier! Nicht später. Jetzt!
Ich glaube, es hat damit zu tun, wie man lebt. Ob man sich erlaubt, leer zu werden. Still. Nicht immer im Recht. Nicht immer wichtig. Ob man sich traut, weich zu bleiben in einer Welt, die auf Härte setzt.
Stephanus war kein Weicher. Aber auch kein Kämpfer. Er hat nicht zurückgeschlagen. Nicht gross geredet. Er hat einfach gesagt, was er gesehen hat. Und dann war er still.
Das ist schwer. Zu sagen, was man sieht – und dann still zu bleiben.
Ich habe einen alten Mann gekannt, der einmal zu mir sagte: „Ich bin im Leben oft gescheitert. Aber nie am Leben selbst.“ Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was er meint. Vielleicht so etwas wie: Ich habe vieles nicht erreicht. Ich habe vieles verloren. Aber ich habe nie aufgehört zu staunen.
Das ist nicht wenig.
Die meisten Menschen hören irgendwann auf zu staunen. Weil sie zu viel wissen. Oder weil sie verletzt wurden. Oder weil sie Angst haben, dass sie sonst nicht ernst genommen werden.
Aber wer aufhört zu staunen, sieht den Himmel nicht mehr. Er wird sich schliessen. Nicht weil er es tut. Sondern weil man ihn nicht mehr sucht.
Ich glaube, der Himmel ist dort offen, wo ich aufhöre, alles zu kontrollieren. Wo ich den Dingen ihren Lauf lasse. Wo ich nicht mehr sage: „So soll es sein.“ Sondern: „Ja, So ist es jetzt gerade.“
Das ist schwer. Denn das bedeutet, dass man den Widerstand spürt. Dass man ihn nicht gleich wegredet. Dass man nicht sofort einen Sinn draus macht.
Es gibt Widerstand, wenn man bei sich bleibt. Es gibt Gegenwind, wenn man sagt, was man sieht. Es gibt Leute, die das nicht mögen. Weil Offenheit ansteckend ist. Und weil Freiheit Unruhe stiftet.
Menschen, die auf ihre Erfahrung vertrauen, sind für manche gefährlich. Nicht weil sie laut sind. Sondern weil sie nicht mitmachen. Weil sie nicht schimpfen. Weil sie zuhören. Weil sie einfach da sind. Und weil das reicht.
Ich habe mal so jemanden kennengelernt. Jemand, der mit niemandem mehr sprach. Nicht aus Trotz. Sondern weil ihm das Reden zu laut geworden war. Er sass jeden Tag auf derselben Bank. Am Rand eines Feldwegs. Kein schöner Platz. Aber seiner. Ich fragte ihn einmal, was er da tue. Und er sagte mit ruhigem Gesicht: „Nichts.“ Dann schwieg er wieder.
Ich glaube, er sah mehr vom Himmel als viele Theologen. Er hat nichts erklärt. Aber man spürte, dass er nichts mehr beweisen musste.
Das ist eine grosse Freiheit.
Freiheit heisst nicht, alles sagen zu dürfen. Freiheit heisst, nicht alles sagen zu müssen. Nicht einmal das Eigene. Nur das, was jetzt dran ist. Und manchmal ist das eben: Schweigen. Oder ein Satz. So wie dieser: „Ich sehe den Himmel offen.“
Ich frage mich oft, ob wir den Mut haben, so zu leben. Einfach. Ohne Absicht. Ohne Kalkül. Mit offenem Herzen. Auch wenn es weh tut. Auch wenn es einsam macht. Auch wenn andere dann sagen: Du bist nicht realistisch.
Aber was heisst schon realistisch? Die Welt ist nicht realistisch. Sie ist rätselhaft. Gross. Weich. Widersprüchlich. Und manchmal wunderschön. Wenn man hinschaut. Wenn man sich zeigt. Wenn man aufhört, alles erklären zu wollen.
Für mich ist Glauben genau das: Nicht wissen, sondern gehen. Nicht sehen, sondern lauschen. Und wenn es dann plötzlich hell wird – mitten am Tag, mitten in einem Satz, mitten in einer Begegnung – dann stehenbleiben. Nichts machen. Nur sein. Und wissen: Das war der Himmel.
Nicht mehr. Und nicht weniger.
Und das genügt.
Ich glaube, der Satz „Ich sehe den Himmel offen“ ist nicht nur eine Erfahrung. Er ist auch eine Erinnerung. Und vielleicht sogar ein Auftrag.
Denn was wäre, wenn Kirche genau das wäre? Ein Ort, an dem der Himmel offen bleibt – auch wenn wir ihn gerade nicht sehen. Eine Gemeinschaft, die nicht fragt, ob jemand alles richtig macht, sondern ob er da ist. Nicht ob jemand alles glaubt, sondern ob er atmet. Nicht ob jemand dazugehört, sondern ob er sich sehnt.
Wenn Stephanus in seiner letzten Stunde den Himmel offen sieht, dann vielleicht deshalb, weil er ihn sein Leben lang nicht verschlossen hat. Nicht für sich. Und nicht für andere.
Und vielleicht ist das unsere Aufgabe: nicht mehr. Und nicht weniger. Offene Türen. Offene Ohren. Und ein Herz, das nicht rechnet.
Dass jemand zu uns kommen kann und merkt: Ich muss hier nichts leisten, um willkommen zu sein. Ich darf hier sein – mit allem, was nicht gelingt. Mit allem, was ich nicht verstehe. Mit allem, was mir zu schwer ist, um es auszusprechen.
Der offene Himmel ist keine Belohnung. Er ist ein Versprechen. Dass nichts verloren ist. Dass kein Mensch zu spät kommt. Dass das Unfertige dazugehört. Dass das Gebrochene einen Platz hat.
Ein langer verstorbener Bekannter, ein alter Benediktinerbruder aus Passau sagte immer wieder: „Die grössten Tore brauchen keine Schlüssel – sie stehen immer offen.“ Er hat gelacht, als er das sagte. Ein bisschen verschmitzt. Aber man hat gemerkt, er meint es so.
Das ist mein Bild von Kirche. Kein Gebäude. Keine Institution. Sondern ein grosser Hof mit offener Tür. Und in der Mitte: Stille. Platz. Vielleicht ein Baum. Oder einfach ein Stuhl. Für jeden, der kommt. Für jede, die zögert. Für alle, die nichts mehr sagen können, aber trotzdem hier sein wollen.
Heute habe ich gefegt. Draussen, im Hof. Unter dem alten Tisch lag noch Laub. Dünn wie Papier, brüchig vom Warten. Der Wind hatte es gebracht, nicht viel, aber genug, dass man es sah.
Der Besen stand da, an der Wand, wo er meistens steht. Kein neuer. Die Borsten schräg, der Stiel matt vom Gebrauch. Man muss ihn ein wenig drehen, wenn man die Ritzen zwischen den Platten erwischen will. Ich kenne das schon.
Es war kein grosser Entschluss. Kein Moment der Erleuchtung. Eher ein Zögern, das in Bewegung überging. Ein leiser Anfang, wie wenn man einen Gedanken wieder aufnimmt, den man nicht zu Ende gedacht hat.
Der Spruch kam nicht gleich. Erst mit dem Schieben der ersten Blätter. Kehr deinen eigenen Hof. Ein Satz, der nichts erklärt. Nur zeigt. Und auf etwas weist, das leicht zu übersehen ist.
Ich kenne viele, die in fremden Höfen fegen. Mit Eifer. Mit Überzeugung. Und manchmal mit guten Absichten. Ich selbst war auch schon dort. Man sieht Dinge klarer, wenn man nicht verantwortlich ist. Weiss, wie es besser ginge. Wie man es sagen müsste. Tun müsste. Denken müsste.
Aber der eigene Hof hat seine eigene Sprache. Er lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Der Staub liegt anders. Das Licht zeigt Dinge, die niemand sonst sieht. Und es braucht Zeit.
Einige Nadeln haben sich festgesetzt zwischen den Steinen. Ich habe sie nicht alle herausbekommen. Aber ich habe es versucht.
Der Stein, der seit Wochen am Rand liegt, blieb, wo er war. Nicht aus Nachlässigkeit. Eher aus Achtung. Manche Dinge darf man auch lassen.
Ein Rotkehlchen kam kurz vorbei. Hielt inne, als wolle es etwas sagen, und flog dann weiter. Vielleicht war es nur der Schatten meines Besens, der es zögern liess. Vielleicht war auch das nichts. Nur ein kurzer Besuch.
Meine Frau hat den Eimer mitgenommen, der neben dem Tisch stand. Kein Wort. Aber ich wusste, dass sie es gesehen hat.
Es war nicht viel. Kein grosser Unterschied zu vorher. Aber der Hof war leerer. Und ich auch.
Der Wind wird wiederkommen. Neue Blätter bringen, neue Spuren. Vielleicht werde ich wieder fegen. Vielleicht auch nicht.
Ich soll heute etwas über Schafe sagen. Am Muttertag. Ich habe überlegt, ob man das einfach machen kann. Etwas über Schafe sagen, wenn man keine Ahnung von Schafen hat. Ich habe keine. Ich kenne auch niemanden, der welche hat. In unserer Strasse gab es keine Schafe. Dort gab es Rasenmäher. Und Hecken. Und Kinderfahrräder. Und manchmal das Geräusch von einem Schlagzeug durch ein offenes Fenster.
Das Evangelium sagt: „Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie.“ Ich habe den Satz gelesen und gemerkt, dass ich nicht weiss, ob ich je jemandem gefolgt bin, weil er gerufen hat. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich bin ich immer dann losgelaufen, wenn es still war. Wenn niemand gerufen hat. Weil es da einfacher war, nicht enttäuscht zu werden.
Man hat mich, als ich ein kleines Kind war, von meiner Mutter weggeholt. Das Jugendamt hat das entschieden. Ich war ein halbes Jahr alt. In den Unterlagen steht: verwahrlost. Ich weiss nichts davon. Ich kann mich nicht erinnern. Aber etwas in mir erinnert sich. Nicht mit Worten. Mehr so als Gefühl. So ein dünner Film über allem. Als ob man nicht ganz dazugehört, auch wenn man mittendrin ist.
Auf Fotos aus dieser Zeit sehe ich nicht traurig aus. Ich sehe normal aus. Vielleicht ein bisschen ernst. Vielleicht ein bisschen zu wach. Ich war nie ein rundes Kind. Aber das Loch vom Anfang, das ist geblieben. Und es hat sich später gemeldet, in Momenten, in denen es draussen still war. Wenn man eigentlich hätte spüren sollen, dass man sicher ist, und es doch nicht tat.
Ich wurde adoptiert. Ich hatte Glück. Da war jemand, der geblieben ist. Eine Frau, die nicht davongelaufen ist, obwohl sie selber nicht immer wusste, wie das geht, mit der Nähe. Auch sie hat gekämpft. Auch sie hatte ihre Dämonen. Aber sie war da. Und ich bin ihr heute dankbar dafür. Mehr, als ich sagen kann.
Trotzdem ist da etwas geblieben. Etwas Altes. Etwas, das sagt: Du musst selber dafür sorgen, dass es reicht. Dass du satt wirst. Dass du gesehen wirst. Dass du Platz hast. Und so habe ich gegessen. Auch wenn ich keinen Hunger hatte.
Und ja, man sieht’s. Ich nehme zu, wenn es mir nicht gut geht. Manchmal ist es wie ein Barometer. Ich muss mich nicht auf eine Waage stellen. Ich sehe es im Spiegel. Ich merke es an der Art, wie ich mich bewege. Wenn der Druck wächst, wächst auch mein Körper. Und das ist kein Drama. Es ist einfach so. Mein Körper schützt mich. Er hat es früh gelernt.
Ich kann diszipliniert sein. Sehr sogar. Ich kann mit grosser Ruhe Entscheidungen treffen, zuhören, durchhalten. Aber nicht in allem. Es gibt Stellen in mir, da hilft keine Einsicht. Da spricht ein anderes System. Eines, das älter ist als mein Wille.
Und doch lerne ich, auch darüber zu lächeln. Ich habe aufgehört, meinen Körper zu korrigieren. Er erzählt eine Geschichte. Und ich habe beschlossen, ihm zuzuhören. Nicht mich zu unterwerfen – nur zuzuhören. Und ihm zu danken. Dafür, dass er geblieben ist, auch in den Zeiten, in denen ich ihn nicht mochte.
Jesus sagt: „Meine Schafe hören auf meine Stimme.“ Ich glaube, das ist kein Befehl. Das ist keine Aufforderung. Das ist einfach eine Feststellung. Sie hören. Nicht, weil sie gut trainiert sind. Sondern weil sie gemeint sind. Weil sie wissen, dass die Stimme nicht lügt.
Er sagt auch: „Ich kenne sie.“ Nicht: Ich analysiere sie. Nicht: Ich beurteile sie. Sondern: Ich kenne sie. So wie man ein altes Möbelstück kennt, an dem man sich schon hundert Mal gestossen hat, aber es doch nie weggibt. Weil es dazugehört.
In meiner Arbeit begegne ich oft Menschen, die das nicht glauben können. Dass sie einfach gemeint sind. Ohne Bedingung. Ohne Leistung. Menschen, die denken, sie müssten sich erst beweisen. Oder entschuldigen. Oder besser werden. Und ich kenne das von mir. Dass man denkt, man müsse sich ein Recht erarbeiten, da zu sein.
Aber da ist diese Stimme. Die nicht fragt, wie man aussieht, oder wie viel man wiegt. Die nicht fragt, ob man alles verstanden hat. Die einfach sagt: ich sehe Dich. Ich weiss, wer du bist. Ich weiss, warum du manchmal laut wirst. Warum du isst, obwohl du satt bist. Warum du schweigst, obwohl du reden möchtest.
Am Muttertag sprechen viele von Dankbarkeit. Und das ist gut. Auch ich bin dankbar. Nicht für ein makelloses Bild. Sondern für die, die geblieben sind. Für die, die da waren, ohne viel zu sagen. Für die, die sich bemüht haben, auch wenn es nicht immer gelang.
Und ich denke auch an das, was gefehlt hat. Und daran, wie es ist, wenn man lernt, durch die Dinge hindurch zu leben. Und zu lieben. Und weiterzugehen.
Eigentlich geht es heute nicht nur um Schafe. Und auch nicht nur um Mütter. Es geht um die Frage, ob da jemand ist, der bleibt, wenn alles still wird. Ob da jemand ist, der nicht fortgeht, wenn man sich selbst nicht mehr halten kann. Etwas Mütterliches und Väterliches hinter allem.
Ich weiss, es gibt diese Stimme. Und ich weiss auch, sie spricht nicht laut. Sie ruft nicht. Sie stellt keine Bedingungen. Sie flüstert in gewaltigem Schweigen. Sie sagt nur: Ich bin da.
Und manchmal – manchmal klingt sie durch eine Mutter. Nicht durch eine ideale, sondern durch eine wirkliche. Eine, die nachts aufsteht, obwohl sie selber kaum noch stehen kann. Eine, die sich Sorgen macht, ohne zu wissen, wie man tröstet. Eine, die einfach bleibt, auch wenn sie nichts lösen kann.
Vielleicht ist dieses Dasein jeder Mutter (und auch der Väter) – so verschieden es ist, so brüchig, so liebevoll, so erschöpft – eine Spur von etwas, das uns im innersten meint. Etwas, das unser Wesen hält. Etwas, das nicht fordert, sondern da ist. Immer.
Und vielleicht liegt genau darin die Würde von allen, die sich leise schenken: nicht darin, dass sie alles richtig machen – sondern dass sie da sind.
So, wie sie können.
Und dort, so denke ich, öffnet sich der Himmel für beide.
Es gibt Momente, da ist alles gesagt. Man hat gehofft, gebetet, gewartet, gelitten. Man hat sich müde geliebt, müde geglaubt, müde gehofft. Dann sitzt man da wie Simon Petrus am See, schaut auf das Wasser und weiss nicht, was man tun soll. Also macht man das, was man früher getan hat: Netze flicken, Alltägliches erledigen, über Brot und Fische nachdenken. Der grosse Traum ist in sich zusammengestürzt, das Feuer fast erloschen. Und das Herz fragt still: „War das alles?“
So beginnt es manchmal. Nicht mit einem neuen Anfang, sondern mit dem Ende. Mit Müdigkeit. Mit Schweigen. Mit einem leeren Netz.
Diese Geschichte – oder besser: dieses Geschehen – hat viele Namen. Rückfall ins Alte. Resignation. Identitätskrise. Ich glaube, das ist zu schnell gedacht. Vielleicht ist es kein Rückfall, sondern ein Mensch, der innehält. Jemand, der nicht mehr kann, aber auch nicht weg will. Jemand, der durch die Nacht gerudert ist und nun in aller Frühe dasitzt und auf das Wasser schaut. Nicht alles ist vorbei. Aber nichts ist mehr wie vorher.
Was Petrus erlebt, ist nicht das Ende seiner Berufung. Es ist das Durchkreuzen seines früheren Verständnisses davon. Seine Idee von Erfolg, Kraft, Loyalität, Heldentum – sie ist zerbrochen. Er ist gescheitert. Aber: nicht verlassen.
Jesus fragt ihn später dreimal: Liebst du mich? Nicht: Glaubst du genug? Nicht: Hast du verstanden? Nicht: Wirst du’s diesmal besser machen?
Nur: Liebst du mich?
Das ist kein theologischer Test. Es ist eine Rückfrage an die innere Wahrheit. Eine Einladung zurück in die Verbundenheit. Ohne Druck. Ohne Anklage. Nur dieses einfache, menschliche: Hast du mich noch lieb?
Und wenn ich in diesen Tagen auf die Kirche schaue, dann sehe da auch viel Müdigkeit. Viel Durchgerudertes. Viele leere Netze. Und doch: auch eine andere Möglichkeit. Dass einer kommt. Nicht mit Macht. Nicht mit einem Konzept. Sondern mit Brot und Fisch am Feuer. Mit Wärme. Mit einer Frage. Und mit einem Blick, der nicht anklagt, sondern erinnert.
Das ist für mich Kirche: Nicht eine Organisation, sondern ein Feuer am Ufer. Ein Ort, wo Menschen aufwärmen dürfen, was kalt geworden ist. Wo Fragen Raum finden. Wo Scheitern kein Ende bedeutet. Wo jemand da ist, der fragt, was trägt – nicht was glänzt.
Wenn in der nächsten Woche der neue Papst gewählt wird – oder wenn du diese Worte liest, vielleicht ist er schon gewählt –, dann wünsche ich mir nicht in erster Linie einen Reformer oder Bewahrer. Ich wünsche mir einen Menschen, der ein Feuer entzünden bzw. hüten kann. Kein grosses. Kein loderndes. Nur ein kleines, stilles Feuer, das wärmt. Dass andere sich trauen, näherzukommen. Dass es wieder duftet nach Brot und nach Menschlichkeit.
Kirche beginnt nicht im Hochamt. Sie beginnt am Ufer. In der Müdigkeit des Petrus. In der Leere unserer eigenen Versuche. Und dann – im Erkennen: Es ist es. Nicht weil einer sagt, wer er ist. Sondern weil es plötzlich warm wird.
„Und wenn du einmal zurückkommst …“
Es ist ein zarter Moment, kaum merklich. Einer sagt: Er ist es! Und das genügt. Kein Blitz. Kein Wunder. Nur diese Ahnung, die sich wie ein Schimmer in die Müdigkeit mischt. Der See, der eben noch fremd war, wird zur Schwelle. Das Ufer, eben noch leer, ist plötzlich ein Ort der Hoffnung.
Aber das Entscheidende geschieht nicht am Feuer, sondern danach. Wenn Jesus Petrus beiseitenimmt. Und ihn fragt. Dreimal. Nicht aus Misstrauen. Nicht, um ihm sein Versagen vorzuhalten. Sondern weil Liebe Zeit braucht. Raum. Wiederholung. Vertrauen wächst nicht aus dem Wissen, dass man nicht scheitert. Es wächst aus dem Erfahren, dass man nach dem Scheitern noch gesehen wird.
Petrus antwortet, wie einer antwortet, der nicht mehr an sich glaubt: Du weisst es doch. Keine grossen Worte mehr. Kein Heldentum. Nur noch dieses schlichte: Du weisst, wie es um mich steht. Und genau das reicht.
Ich glaube, das ist die eigentliche Heilung. Nicht, dass Petrus seine Schuld ablegt wie ein altes Gewand. Sondern, dass sie sein darf. Dass sie Teil der Geschichte ist – nicht als Makel, sondern als Tiefe. Dass er wieder reden darf. Wieder glauben. Wieder lieben. Nicht obwohl – sondern weil er gefallen ist.
Wenn jemand in eine neue Verantwortung gerufen wird – sei es als Papst oder einfach als Mensch, der gefragt ist – dann ist das keine Krönung. Es ist ein Ruf zurück. Ein zarter Auftrag: Weide meine Schafe. Hüte das Feuer. Nicht: Befiehl. Nicht: Richte. Nicht: Erkläre. Nur: Sorge.
Diese Worte gelten nicht nur Petrus. Sie gelten allen. Dir. Mir. Uns. In einer Kirche, die müde ist. In einer Welt, die müde ist. Es geht nicht um Glanz. Nicht um Geltung. Es geht um das Feuer am Ufer. Um den Geschmack von Brot. Um ein neues Vertrauen.
Wenn das Leben fragt: Liebst du mich? – dann ist das kein Vorwurf. Es ist die Einladung, aufzustehen. Wieder zu gehen. Wieder Mensch zu sein. Wieder zu hüten, was lebt.
Der Rest ist schlicht. Jesus sagt: Folge mir nach. Kein Plan. Kein Ziel. Kein Sicherheitspaket. Nur das leise Vertrauen: dass der Weg sich zeigen wird, wenn wir ihn gehen.
Und vielleicht – so hoffe ich – wird auch die Wahl des neuen Papstes kein weltpolitisches Ereignis sein, sondern ein leiser Schritt ans Ufer. Dass einer kommt, der fragt, nicht herrscht. Der zuhört, nicht urteilt. Der liebt, nicht beweist.
Die eigentliche Krönung ist: Nicht, dass einer gewählt wird. Sondern dass einer in sich die Liebe wiederfindet. Und von dort her lebt.
Wir sprechen viel übereinander. „Die Jungen verstehen nicht mehr…“ sagen die Alten. „Die Alten blockieren alles…“ sagen die Jungen. So geht das. Endlos. Man spricht über die anderen, nicht mit ihnen.
In einer meiner früheren Pfarreien. Ein Stammtisch nach der Messe. Es ging um das kommende Gemeindefest. Jemand sagte: „Die Jugendlichen wollen doch nur…“ Ein anderer: „Die Senioren brauchen aber…“ Alle nickten. Keiner fragte die Jugendlichen. Keiner fragte die Senioren. Sie waren gar nicht da.
Wir wissen immer schon, was die anderen denken. Was sie wollen. Was sie brauchen. Wir haben sie in Schubladen gesteckt. Beschriftet. Abgelegt.
Die Seelsorger reden über die Gemeinde. Die Gemeinde über die Seelsorger. Die Eltern über die Kinder. Die Kinder über die Eltern. Die Einheimischen über die Zugezogenen. Die Zugezogenen über die Einheimischen.
Es ist einfach, übereinander zu reden. Man muss sich nicht aussetzen. Nicht verwundbar machen. Kann in der eigenen Welt bleiben. Sicher. Bequem. Aber wir verlieren etwas dabei. Wir verlieren den Menschen hinter unseren Vorstellungen. Wir verlieren die Geschichte hinter unseren Urteilen. Wir verlieren die Wahrheit hinter unseren Meinungen.
An irgendeinem, lange vergangenen Sonntag, oder war es letzte Woche? Nach dem Gottesdienst. Zwei Leute standen beieinander. „Hast du gehört, der Herr Müller will jetzt im Chor mitsingen. Ausgerechnet der…“ Sie kicherten. Ein Mann ging vorbei, grüsste freundlich. Sie grüssten zurück. Der Mann war Herr Müller.
Später hörte ich den Chor proben. Herr Müller sang mit. Eine tiefe, warme Stimme. Nach der Probe fragte ich ihn, warum er jetzt im Chor mitsinge. „Meine Frau ist vor einem Jahr gestorben“, sagte er. „Sie hat immer so gern gesungen. Ich will jetzt für sie singen.“ In seiner Stimme lag etwas, das ich noch nie gehört hatte.
Der Weg vom Übereinander zum Miteinander ist kurz. Ein Schritt nur. Ein Satz nur: „Wie geht es dir?“ Und doch ist er weit. Er führt über Abgründe von Angst. Von Vorurteilen. Von Bequemlichkeit.
Beim nächsten Gemeindefest-Planungstreffen waren sie da. Die Jugendlichen. Die Senioren. Sie sprachen nicht übereinander. Sie sprachen miteinander. Es war anstrengend. Manchmal laut. Sie verstanden sich nicht immer. Aber sie versuchten es.
Eine junge Frau wollte eine Open-Air-Bühne mit Musik. Ein alter Mann einen stillen Begegnungsraum. Sie stritten. Dann fragte jemand: „Warum ist dir das wichtig?“ Kein Vorwurf. Eine echte Frage.
Der alte Mann erzählte von seiner Frau, die Rosen liebte. Die junge Frau von ihrem Bruder, der beim Skaten Freunde fand, als er neu am Ort war. Plötzlich hörten sie einander zu. Sahen einander.
Am Ende entstand etwas, das keiner allein erdacht hätte. Ein Fest mit ruhigen Ecken und lebendigen Plätzen. Mit Musik zu bestimmten Zeiten und Raum für Gespräche dazwischen. Nicht perfekt. Aber gemeinsam.
So ist das, wenn wir beginnen, miteinander zu sprechen statt übereinander. Wir verlieren unsere fertigen Bilder. Unsere bequemen Urteile. Aber wir gewinnen etwas Grösseres: Den wirklichen Menschen. Die echte Begegnung. Den gemeinsamen Weg.
Es ist einfach. Und schwer zugleich. Es beginnt mit einer Frage. Einem Zuhören. Einem offenen Herzen.
Vom Übereinander zum Miteinander. Ein kleiner Schritt für jeden Einzelnen. Ein grosser Schritt für alle.
Vielleicht ist das ein Stück vom Reich Gottes. Wenn wir nicht mehr übereinander reden, sondern miteinander. Wenn wir nicht mehr urteilen, sondern verstehen. Wenn wir einander nicht mehr in Schubladen stecken, sondern in die Augen schauen.
Es braucht keine grossen Worte. Nur die Bereitschaft, den anderen wirklich zu sehen. Mit all seinen Geschichten. Mit all seinen Wunden. Mit all seinen Hoffnungen. Als Gottes geliebtes Kind. Wie wir selbst.